AP2030+: LDK fordert echte Vereinfachung

Die Konferenz der kantonalen Landwirtschaftsdirektoren (LDK) hat sich an ihrer Jahresversammlung im Kanton Uri mit der Agrarpolitik 2030+ befasst. Bundesrat Guy Parmelin informierte die kantonalen Landwirtschaftsdirekto-rinnen und -direktoren über die Vorlage. Die LDK fordert: Die AP2030+ muss die Landwirtschaft und den kantona-len Vollzug spürbar vereinfachen, die Wertschöpfung für die Bauernfamilien stärken und mehr Eigenverantwor-tung ermöglichen. Gleichzeitig fordert die LDK den Bund auf, den Fonds de Roulement für Investitionskredite mit zusätzlichen 480 Millionen Franken zu alimentieren.

Urban Camenzind, Volks- und Landwirtschaftsdirektor UR; Bundespräsident Guy Parmelin; Stefan Müller, LDK Präsident und Landeshauptmann AI; Roger Bisig, LDK Generalsekretär (v.l.n.r.).

Die LDK hatte an der Arbeitstagung vom 22. Januar 2026 ihre politischen Schwerpunkte für die AP2030+ verabschiedet. Diese bilden nun den Massstab, mit dem die LDK die Vorlage zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik beurteilt. Im Zentrum stehen dabei die Reduktion des administrativen Aufwands, mehr Wertschöpfung für die Landwirtschaft und mehr Eigenverantwortung für die Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Die Vorlage, die Bundesrat Guy Parmelin den Landwirtschaftsdirektoren umfasst vier Kernelemente: Handlungsspielräume vergrössern und administrativen Aufwand reduzieren, das Funktionieren der Märkte unterstützen, Produktionsgrundlagen und Ressourceneffizienz verbessern sowie die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette fördern.

Administrative Vereinfachung muss in der Praxis ankommen

Die LDK begrüsst die grundsätzlichen Stossrichtungen der Vorlage. Entscheidend ist jedoch die konkrete Umsetzung; und hier bestehen aus Sicht der LDK in wichtigen Punkten erhebliche Vorbehalte. So will der Bund Direktzahlungen stärker ergebnisorientiert ausgestalten. Heute sind Direktzahlungen stark an die Einhaltung von Handlungsanweisungen geknüpft. In Zukunft sollen Direktzahlungen vermehrt für konkrete Ergebnisse ausgerichtet werden. Damit sollen die Handlungsspielräume der Landwirtinnen und Landwirte zu- und der administrative Aufwand abnehmen. Die LDK begrüsst den damit verbundenen Ansatz, den Betrieben mehr Handlungsspielraum und Eigenverantwortung zu übertragen. «Entscheidend ist jedoch, ob damit der administrative Aufwand für die Bauernfamilien und die kantonalen Vollzugsstellen tatsächlich sinkt», erklärt LDK-Präsident Stefan Müller. Daran bestehen aus Sicht der LDK nach heutigem Kenntnisstand erhebliche Zweifel. Neue Indikatoren, Messsysteme und Nachweise dürfen keine zusätzliche Komplexität schaffen. Für die LDK bedeutet Vereinfachung in erster Linie, bestehende komplizierte Programme und Mikromanagement konsequent abzubauen. Komplizierte Programme dürfen nicht einfach durch neue und ebenfalls komplizierte Programme ersetzt werden.

Mehr Markttransparenz muss die Wertschöpfung verbessern

Die LDK unterstützt grundsätzlich auch die Absicht des Bundesrates, die Marktbeobachtung auszubauen und die Transparenz entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern. Der Bundesrat will unter anderem bestehende Lücken in der Marktbeobachtung schliessen und Preis- und Wertschöpfungsinformationen auf zusätzlichen Stufen der Lebensmittelkette erfassen. Mehr Transparenz allein genügt jedoch nicht. Entscheidend ist die Wirkung: Die wirtschaftliche Position der landwirtschaftlichen Betriebe muss gestärkt und ihr Anteil an der Wertschöpfung verbessert werden. Ob die vorgesehenen Instrumente tatsächlich dafür geeignet sind, wird die LDK in der Vernehmlassung sorgfältig prüfen.

Strukturverbesserungen vereinfachen und Finanzierung sichern

Die Strukturverbesserungen bilden einen wichtigen Bestandteil des Kernelements «Produktionsgrundlagen und Ressourceneffizienz verbessern» und haben für die LDK grosse Bedeutung. BLW, LDK und suissemelio (Fachvereinigung der Kantone für Strukturverbesserungen und ländliche Entwicklung) führen gemeinsam ein Projekt zur Weiterentwicklung und Vereinfachung der Strukturverbesserungen durch. Im Zentrum stehen effizientere Gesuchsprozesse, die Beseitigung von Doppelspurigkeiten und Zuständigkeitskonflikten sowie einfachere Bedingungen und Auflagen. Ursprünglich war vorgesehen, die Ergebnisse dieses Projekts direkt in die AP2030+ zu integrieren. Die entsprechenden Gesetzesanpassungen sollen nun in einer separaten Vernehmlassung behandelt werden und deren Ergebnisse anschliessend in die Botschaft zur AP2030+ einfliessen. Die LDK wird diesen Prozess kritisch begleiten und erwartet, dass die Anliegen der Kantone im Gesetz und in der Strukturverbesserungsverordnung berücksichtigt werden. Denn auch in diesem Bereich wird die geforderte administrative Vereinfachung nur durch Streichen von Vorschriften und Instrumenten erreicht werden können. Gleichzeitig müssen genügend Mittel für notwendige Investitionen zur Verfügung stehen. Eine Erhebung bei den Kantonen weist beim Fonds de Roulement für Investitionskredite für die kommenden fünf Jahre eine Finanzierungslücke von 480 Millionen Franken aus. Die LDK bekräftigt deshalb ihre Forderung, dass der Bund dieses Kapital in den Fonds de Roulement alimentieren muss.

LDK zu Gast im Kanton Uri

Die LDK führte ihre Jahresversammlung auf Einladung des Kantons Uri durch. Besuche im Alpkäselager Ripshausen, auf einem Landwirtschaftsbetrieb und bei der Sisag AG vermittelten den kantonalen Landwirtschaftsdirektoren Einblicke in die Urner Land- und Alpwirtschaft sowie in die regionale Wirtschaft. Regierungsrat Urban Camenzind hiess die LDK im Gastgeberkanton willkommen.

Kon­takt

Stefan Müller, Präsident

Landeshauptmann Kanton Appenzell Innerrhoden

Land- und Forstwirtschaftsdepartement (LFD)

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Roger Bisig

Generalsekretär

Telefon 031 320 11 52

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